Dort ist wie unter einem Brennglas sichtbar geworden, wie existenziell Kinder- und Jugendhilfe sein kann. Wo junge Menschen mit ihrer Geschichte, ihren Verletzungen und ihrer Sehnsucht nach Halt auf andere Menschen treffen, geht es um weit mehr als Betreuung. Es geht um Schutz. Um Beziehung. Um Verantwortung. Um unerfüllte Bedürfnisse. Um Missverständnisse. Manchmal um Hilflosigkeit und Ausnahmezustände – um viele Facetten des menschlichen Lebens, die im Äußersten ihren schmerzhaften Ausdruck finden.
Solche Ereignisse können sprachlos machen. Deshalb möchten wir heute nicht vorschnell Antworten geben, politische Forderungen formulieren oder vorschnell urteilen, sondern zum Innehalten und Beten einladen.
Denn wir glauben: Auch dort, wo uns die Worte fehlen, ist Gott gegenwärtig. In der Bibel heißt es: „Der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen.“ (Römerbrief,26)
Gebet
Gott,
wir bringen dir all die Menschen,
die heute von Leid betroffen sind.
Heute denken wir besonders an die Menschen in Stade.
Und zugleich an alle,
die trauern.
Die Angst haben.
Die verletzt wurden.
Die nicht wissen, wie es weitergehen soll.
Sei bei denen,
die Schutz suchen.
Bei denen,
die Verantwortung tragen.
Und bei denen,
die sich jeden Tag neu dafür entscheiden,
einem Menschen mit Würde zu begegnen.
Schenke uns den Mut,
nicht vorschnell zu urteilen,
sondern den Menschen hinter seiner Geschichte zu sehen.
Wo Hoffnung schwindet,
sei du Hoffnung.
Wo Worte fehlen,
bete du in uns.
Und wo Dunkelheit das letzte Wort haben will,
lass dein Licht leuchten.
Amen.